Eine Urinuntersuchung gehört zu einer der ältesten Untersuchungen, um Krankheiten an den Nieren und Harnwegen festzustellen. Weiterhin lassen sich durch eine Untersuchung des Urins auch Krankheiten anderer Organe feststellen. Bei einer erhöhten Konzentration an Traubenzucker (Glukose) gibt es einen Hinweis auf eine Zuckererkrankung (Diabetes mellitus). Bereits im Mittelalter wurde Urin schon durch Betrachtung und Prüfung des Geruchs untersucht. Auch heute noch wird Urin nach dem Geruch, der Farbe, der täglich ausgeschiedenen Menge und der Zusammensetzung analysiert.
Werden bei einer Harnanalyse die Farbe und der Geruch des Urins untersucht, ist es wichtig, dass dies stets an frischem Urin vorgenommen wird, da sich die Farbe nach einer gewissen Zeit durch chemische Prozesse verändert. Bei gesundem Urin ist die Farbe klar und hell- bis bernsteingelb. Bei Erkrankungen der Nieren oder der Harnleiter wird die Trübung des Urins bis hin zur Rotfärbung durch Eiweiß, Bakterien oder rote und weiße Blutkörperchen verursacht. Tritt eine Störung der Nierenfunktion ein, wird auch das Ausscheiden von Urin beeinträchtigt. Bei einer Zuckererkrankung ist die Harnproduktion erhöht. Der Geruch ist oftmals abhängig von den verzehrten Nahrungsmitteln. Wobei streng riechender Urin oftmals an einer bakteriellen Infektion liegt. Bei einem fauligen Geruch können Blasentumore als Grund vorliegen.
Der Urin für eine Urinuntersuchung wird optimaler Weise aus dem Mittelstrahl gewonnen, nachdem die erste Portion des Urins entsorgt worden ist. So wird sichergestellt, dass mögliche Keime der äußeren Geschlechtsteile die Untersuchung nicht verfälschen. Um möglichst keimfreien Urin für die Untersuchung zu gewinnen, sollte der Urinbecher sauber und verschließbar sein. Weiterhin sollte auf eine Hygiene der Geschlechtsteile geachtet werden. In manchen Fällen ist es für eine Diagnose sehr wichtig, dass der Urin zu 100 Prozent steril ist. In diesem Fall wird die Harnprobe von einem Arzt mit Hilfe eines Katheters oder einer Punktion der Harnblase durch die Bauchdecke entnommen.
Heutzutage gehört die Urinuntersuchung mit einem Teststreifen zu einer der schnellsten und einfachsten Untersuchungsmethoden von Urin. Hierdurch lassen sich Erkrankungen feststellen, die auf eine chemische Reaktion zurückzuführen sind. Auch der pH-Wert lässt sich mit einem solchen Urinstreifen-Schnelltest ermitteln. Schwankungen des Säuregehalts können ihren Ursprung in der Ernährung haben aber auch an Störungen des Stoffwechsels oder Krebserkrankungen liegen. Bei einer solchen Untersuchung wird der Teststreifen kurz in den Urin eingetaucht, damit alle Testfelder angefeuchtet sind. Nach ca. 1 bis 2 Minuten können die Verfärbungen analysiert werden. Der Urinstreifentest dient auch während der Schwangerschaft als ein wichtiger Teil der Vorsorgeuntersuchungen. Sollten weiterführende Untersuchungen des Urins notwendig werden, muss eine Laboruntersuchung im Anschluss erfolgen und die Harnprobe wird mikroskopisch untersucht. Bei der mikroskopischen Urinuntersuchung wird das Sediment des Urins untersucht. Je nach Befund können bei gewissen Infektionen auch Kulturen von Urin angelegt werden. Nach ca. 24 Stunden zeigt sich dann ein Ergebnis. Sobald die Erreger bekannt sind, kann entschieden werden, welches Antibiotikum verordnet werden muss. Um eine genaue Diagnose der mikroskopischen Urinuntersuchung zu gewährleisten, müssen auch die zuvor ermittelten Ergebnisse des Teststreifens mit berücksichtigt werden.
Da der Körper über den Urin verschiedenste Stoffe wie zum Bespiel Wirkstoffe von Medikamenten, Gifte, Hormone, Drogen oder Dopingmittel ausgeschieden werden, ist eine Urinuntersuchung auch ein wichtiger Bestandteil bei den unterschiedlichsten Sportveranstaltungen. Durch diese Untersuchungen kann festgestellt werden, ob der Sportler verbotene Substanzen eingenommen hat.
Beispielsweise können durch eine Urinuntersucherung aber auch die Ursachen für eine Inkontinenz festgestellt werden, sodass Betroffene nicht mehr auf Inkontinenz Windeln zurückgreifen müssen, welche bekanntlich die Lebensqualität doch enorm einschränken können. Aber auch eine ganze Reihe anderer Erkrankungen lassen sich auf diesem Wege entdecken und mögliche Therapien einschlagen.